KI-Traffic: Wie viel schickt ChatGPT wirklich?
Der Inhalt zusammengefasst:
  • ChatGPT stellt 92,4 Prozent des KI-Referral-Traffics. Wer KI-Sichtbarkeit sagt, meint damit zuerst ChatGPT.
  • Gemessen am Gesamt-Traffic bleibt der KI-Kanal mit 0,14 Prozent winzig. Er wächst aber schneller als jeder andere Kanal.
  • Die größere Wirkung der KI-Suche sind nicht die geschickten Klicks, sondern die verhinderten: 60 Prozent der Suchen enden ohne Website-Besuch.

Perplexity galt als suchnaher Herausforderer, Copilot als der Favorit fürs Büro. Beide Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Eine Auswertung von 6,77 Millionen KI-Sitzungen über 166 Websites zeigt ein klares Bild: 92,4 Prozent der Besucher, die KI-Assistenten auf Websites schicken, kommen von einem einzigen Dienst – von ChatGPT (Previsible AI Traffic Study, via Search Engine Land, 2026).

Ein KI-Assistent, fast der ganze Kuchen

Die Zahlen stammen aus der dritten Traffic-Studie von Previsible, veröffentlicht Anfang Juli 2026 bei Search Engine Land. Ausgewertet wurden 6,77 Millionen Besuche, die aus KI-Assistenten kamen, verteilt über 166 Websites, von November 2024 bis Mai 2026. Das Ergebnis: 92,4 Prozent davon schickte ChatGPT. Alle anderen Assistenten zusammen kamen auf 7,6 Prozent.

Ein halbes Jahr zuvor, im Dezember 2025, war der Markt noch breiter aufgestellt: ChatGPT lag bei rund 84 Prozent, dahinter Perplexity mit 8,9, Gemini mit 4,5, Copilot mit 2,1 und Claude mit 0,6 Prozent. Seitdem hat ChatGPT den Abstand weiter vergrößert. Wer heute Besucher aus KI-Assistenten gewinnen will, fängt deshalb bei ChatGPT an. Der Vorsprung hat einen einfachen Grund: ChatGPT hat die meisten privaten Nutzer, und das zeigt sich direkt in den Besucherzahlen.

Verteilung der KI-ReferrerBalkendiagramm der KI-Referral-Anteile Dez 2025: ChatGPT 84 %, Perplexity 8,9 %, Gemini 4,5 %, Copilot 2,1 %, Claude 0,6 %.Ein Assistent, fast der ganze KuchenAnteil am KI-Referral-Traffic (%)025507510084 %ChatGPT8.9 %Perplexity4.5 %Gemini2.1 %Copilot0.6 %ClaudeVerteilung des trackbaren KI-Referral-Traffics, Snapshot Dez 2025; über den Gesamtzeitraum erreicht ChatGPT 92,4 %.(Quelle: Previsible AI Traffic Study / Search Engine Land, 2026)

Die 92,4 Prozent zählen nur einen Teil

Die 92,4 Prozent zählen nur einen Teil: Besucher, die aus einem Chat-Fenster heraus auf eine Website klicken. KI-Antworten direkt in der Google-Suche, die sogenannten AI Overviews, sind darin nicht enthalten. Sie laufen über eine andere Messung und bringen vermutlich sogar mehr Besucher als alle eigenständigen KI-Dienste zusammen. Die Zahl zeigt also, wie sich ein Teil des Kuchens verteilt, nicht wie groß der ganze Kuchen ist.

Und selbst dieser Anteil hängt davon ab, wer misst. Previsible kommt auf 92,4 Prozent, eine Auswertung von Conductor auf rund 87 Prozent, Similarweb sah ChatGPT im August 2025 bei etwa 69 Prozent. Die Richtung ist überall dieselbe. Auf die genaue Kommastelle sollten Sie sich nicht verlassen.

Fast das Zehnfache in 19 Monaten

Mitte 2025 sah es in einigen Branchen so aus, als hätte der KI-Traffic seinen Höhepunkt erreicht. Das stimmte nicht. Die monatlichen Besuche aus KI-Assistenten stiegen von 65.249 im November 2024 auf 644.478 im Mai 2026, fast das Zehnfache. ChatGPT allein legte über die 19 Monate um das 12,8-fache zu (Previsible / Search Engine Land, 2026).

Wachstum der monatlichen LLM-SessionsBalkendiagramm der monatlichen KI-Referral-Sessions von 65.200 (Nov 2024) bis 644.500 (Mai 2026).Das Plateau war nur eine PauseMonatliche LLM-Sessions (in Tsd.)017535052570065.2Nov2024396.3Aug2025442.6Dez2025428.2Feb2026644.5Mai2026Monatliche KI-Referral-Sessions über 166 GA4-Properties; Gesamtwachstum 9,9x. (Quelle: Previsible AI Traffic Study /Search Engine Land, 2026)

Der Weg dorthin verlief nicht gleichmäßig. Im November 2025 brachen die Besuche innerhalb eines Monats um rund die Hälfte ein, fast nur bei ChatGPT: Dessen Zahlen fielen von 448.412 auf 213.345. Die anderen Dienste blieben stabil. Wahrscheinlich lag es an einer Änderung am Modell. Schon im Herbst zuvor hatten viele Websites die Hälfte ihres ChatGPT-Traffics verloren, weil das Modell plötzlich Wikipedia und Reddit bevorzugte. Bis Dezember erholte sich der Wert wieder auf 442.609.

Für die Praxis heißt das: Ein einziger Anbieter kann Ihren KI-Traffic mit einer Produktentscheidung über Nacht halbieren. Planen Sie diesen Kanal deshalb vorsichtig ein. Er kann jederzeit schwanken.

Die Herausforderer haben die Plätze getauscht

Interessant wird es hinter der Spitze. Claude wuchs von 133 auf 8.528 Besuche im Monat, das 64-fache, und zog im März 2026 zum ersten Mal an Perplexity vorbei. Perplexity dagegen ist seit seinem Höchstwert von 17.507 Besuchen im März 2025 um 61 Prozent gefallen. Copilot brach um 96 Prozent ein, von 8.651 auf 339. Gemini wächst still und stetig um das 3,2-fache; über seine Einbindung in Google Workspace und Android bringt es vermutlich mehr Besucher, als die Zahlen zeigen.

Für Sie ist das dann wichtig, wenn Ihre Kunden technische Einkäufer, Entwickler oder Dienstleister sind. Für diese Gruppe wird Claude langsam relevant. Wer dort früh sichtbar ist, hat einen Vorsprung.

Noch macht KI nur 0,14 Prozent des Traffics aus

Jetzt die Einordnung, die in vielen Schlagzeilen fehlt. So schnell der KI-Traffic wächst, am gesamten Verkehr im Netz hat er bisher nur einen winzigen Anteil. Eine Auswertung von Semrush über mehr als 50.000 Websites beziffert ihn für 2025 auf 0,14 Prozent. Zum Vergleich: Die normale Google-Suche bringt 16 Prozent, direkte Aufrufe 65 Prozent (Semrush, 2026). Die Suche bringt damit noch rund 115-mal so viele Besucher wie alle KI-Assistenten zusammen.

Anteil am gesamten Web-TrafficHorizontales Balkendiagramm der Kanal-Anteile am Web-Traffic 2025; KI-Traffic 0,14 % hervorgehoben.Riesiges Wachstum, winziger Anteil64.69 %Direct16.04 %Organische Suche9.6 %Referral1.47 %Organic Social0.49 %Paid Search0.14 %KI-TrafficAnteil am gesamten Web-Traffic (%)Median-Anteil je Kanal am gesamten Web-Traffic 2025; KI-Traffic wuchs +66 %, bleibt aber unter 0,15 %. (Quelle: Semrush,Traffic-Channel-Studie 2026)

Der kleine Anteil ist trotzdem beachtenswert, gerade weil er so schnell wächst. 2025 legte der KI-Traffic um 66 Prozent zu, schneller als jeder andere Kanal, während der Verkehr im Netz insgesamt kaum zunahm. Semrush hält es für möglich, dass Besucher aus der KI-Suche die klassische Suche bis 2028 überholen.

Immer mehr Suchen enden ohne einen Klick

Wer nur auf die Besucher aus ChatGPT schaut, übersieht die größere Veränderung: die Klicks, die durch KI-Antworten ganz wegfallen. Immer öfter bekommen Nutzer ihre Antwort direkt und öffnen gar keine Website mehr.

Laut Bain & Company enden inzwischen 60 Prozent aller Suchen, ohne dass jemand auf eine weitere Website klickt. Rund 80 Prozent der Nutzer verlassen sich bei einem großen Teil ihrer Suchen auf die KI-Zusammenfassung oben in den Ergebnissen. Den Rückgang beim normalen Such-Traffic schätzt Bain dadurch auf 15 bis 25 Prozent (Bain & Company, 2025). Eine Auswertung von Pew Research zeigt dasselbe im Detail: Steht eine KI-Zusammenfassung in den Ergebnissen, klicken nur noch 8 Prozent der Nutzer auf ein normales Suchergebnis, ungefähr halb so viele wie sonst, und nur 1 Prozent auf einen Link in der Zusammenfassung selbst.

KI bringt einige gute Besucher. Gleichzeitig kostet sie mehr klassische Suchklicks, als sie liefert.

Für viele Mittelständler kostet das in den nächsten Jahren zunächst mehr, als es bringt, vor allem in Branchen, deren Such-Traffic 2025 schon zweistellig eingebrochen ist, etwa im Gesundheitsbereich (minus 30 Prozent) und in der Bildung (minus 27 Prozent).

Ein Viertel der KI-Besucher landet auf dem Suchfeld

Am wichtigsten für die Praxis ist eine andere Frage: Wo kommen diese Besucher eigentlich an? ChatGPT schickt 28,8 Prozent seiner Besucher auf die interne Suche, also auf das Suchfeld der jeweiligen Website. Über alle Branchen sind es rund 25 Prozent. Der Grund: Die KI vertraut der Website, ist sich bei der richtigen Unterseite aber unsicher. Also setzt sie den Besucher ans Suchfeld und lässt ihn selbst weitersuchen.

Wo KI-Traffic landet (Landingpage-Typ je Branche)Horizontales Balkendiagramm der haeufigsten Landingpage-Typen je Branche; ChatGPT interne Suche 28,8 % hervorgehoben.KI schickt Besucher - aber nicht immer, wohin Sie denken54 %Publisher -> News52 %Bildung -> Kurs43 %E-Commerce -> Produkt42.1 %Gesundheit -> Über uns34.6 %SaaS -> interne Suche28.8 %ChatGPT -> interne SucheAnteil des KI-Traffics auf diesem Seitentyp (%)Häufigster Landingpage-Typ je Branche; rund 25 % aller KI-Referrals landen auf der internen Suche. (Quelle: Previsible AITraffic Study / Search Engine Land, 2026)

Je nach Branche sieht das anders aus: Bei SaaS-Anbietern landen 34,6 Prozent auf Suchseiten, im Handel 43 Prozent direkt auf Produktseiten, in der Bildung 52 Prozent auf Kursseiten, im Gesundheitsbereich 42 Prozent auf der Über-uns-Seite, wo Nutzer erst den Anbieter prüfen, bevor sie den Inhalt lesen. Verlage bekommen zwar 54 Prozent ihrer KI-Besucher auf News-Seiten, gemessen an über 120 Millionen Zugriffen sind das aber nur 0,11 Prozent: Sie liefern die Inhalte, die KI zitiert, und sehen fast nichts vom Traffic.

Daraus folgen vier Dinge für Ihr Unternehmen. Erstens: Nehmen Sie die interne Suche ernst. Wenn dort ein Viertel der KI-Besucher ankommt, entscheidet Ihr Suchfeld darüber, ob aus dem Besuch etwas wird. Zweitens: Machen Sie Ihre Produkt- und Preisangaben maschinenlesbar. Mit „Preis auf Anfrage“ kann eine KI nichts anfangen. Drittens: Behandeln Sie Produktseiten als möglichen Einstieg, nicht nur als Abschlussseite. Viertens: Schauen Sie sich den KI-Traffic pro Seitentyp an. Der Durchschnitt über die ganze Website verdeckt, wo er sich sammelt.

So machen Sie KI-Besucher in Ihrer Statistik sichtbar

Bevor Sie irgendetwas davon bewerten können, brauchen Sie Zahlen. Und genau da haben viele Mittelständler eine Lücke: In der normalen Auswertung tauchen KI-Assistenten oft gar nicht als eigene Quelle auf. Sie verstecken sich unter „Verweise“ oder sogar unter „Direktaufrufe“, weil viele Chat-Fenster keine saubere Herkunft mitschicken. Wer nicht gezielt danach sucht, sieht den Kanal einfach nicht.

Konkret heißt das: Legen Sie in Ihrem Analyse-Tool eine eigene Gruppe für KI-Quellen an und tragen Sie die bekannten Adressen ein, also chatgpt.com und chat.openai.com, perplexity.ai, gemini.google.com, claude.ai und copilot.microsoft.com. In Google Analytics 4 geht das über eine eigene Kanalgruppe. Schauen Sie sich zusätzlich an, auf welchen Seitentypen diese Besucher landen. Erst dann wird aus „irgendwas mit KI“ eine Zahl, mit der Sie arbeiten können.

Einen Kanal, den Sie nicht messen, können Sie später auch nicht gezielt ausbauen.

Was der Mittelstand jetzt tun sollte

Kurz zusammengefasst: KI-Assistenten schicken echte Besucher, dieser Verkehr wächst schnell und kommt fast nur von ChatGPT. Am gesamten Traffic ist er heute noch klein. Gleichzeitig zieht die KI-Suche klassische Google-Klicks ab. Grund zur Panik ist das nicht. Es ist ein guter Moment, das Thema geordnet anzugehen.

Fangen Sie bei ChatGPT an, denn dort sind die meisten Besucher. Behalten Sie Claude im Blick, denn dort ist am meisten Bewegung. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Inhalte für Maschinen lesbar sind und Ihre interne Suche funktioniert, denn genau dort kommen die KI-Besucher an. Und richten Sie Ihre Auswertung so ein, dass Sie den Kanal sehen. Wer diese Grundlagen jetzt legt, solange der Kanal klein ist, steht besser da, wenn er größer wird.

Wie Sie in der KI-Suche überhaupt erst als Quelle auftauchen, die Voraussetzung dafür, dass ChatGPT und andere Assistenten Sie verlinken, haben wir im Beitrag Generative Engine Optimization: In der KI-Suche sichtbar werden ausführlich beschrieben. Dieser Artikel zeigt die andere Hälfte: was an Besuchern realistisch dabei herauskommt.

0 Comments

Über diesen Artikel
  • Aktualisiert: 7. August 2026
  • Veröffentlicht: 7. August 2026
  • Lesezeit: 7 Minuten
  • Leser: 14
  • Kommentare: 0 Comments
  • Autor: Joerg Martin
  • Von Menschen erstellt