
Ethanol kann Coronaviren auf einer Fläche innerhalb einer Minute inaktivieren. Wie lange die Fläche danach keimarm bleibt, entscheidet die nächste Hand, die sie berührt. Und was diese Hand hinterlässt, kann sich halten: SARS-CoV-2 im Labor bis zu 3 Tage, viele Krankenhauskeime monatelang. Wer Räume betreibt, in denen viele Menschen dieselben Türgriffe, Tresen und Bedienfelder anfassen, sollte deshalb wissen, wie lange Viren und Bakterien auf Oberflächen überleben und was dagegen hilft.
Viren halten Tage, viele Bakterien Monate
Die bekannteste Messung stammt aus dem Frühjahr 2020. Forscher brachten SARS-CoV-2 auf verschiedene Materialien auf und prüften, wie lange sich noch vermehrungsfähiges Virus nachweisen ließ: auf Kupfer bis zu 4 Stunden, auf Pappe bis zu 24 Stunden, auf Kunststoff und Edelstahl bis zu 3 Tage (van Doremalen et al., 2020). Eine Auswertung von 22 Studien zu Coronaviren wie SARS, MERS und den gewöhnlichen Erkältungs-Coronaviren kam auf Metall, Glas und Kunststoff auf bis zu 9 Tage (Kampf et al., 2020).
Bakterien halten deutlich länger durch. Eine systematische Übersicht zu Krankenhauskeimen zeigt, dass viele von ihnen auf trockenen Flächen Monate überdauern, darunter Staphylococcus aureus mit seiner gegen viele Antibiotika resistenten Form MRSA, Enterokokken und Acinetobacter. Atemwegsviren wie Grippe- oder Schnupfenviren halten sich dagegen meist wenige Tage, Darmviren wie das Rotavirus rund 2 Monate (Kramer et al., 2006). Was einzelne dieser Keime so hartnäckig macht, beschreibt unsere Fachseite zu Staphylococcus aureus und MRSA.
Alle diese Werte stammen aus dem Labor, mit großen Keimmengen unter günstigen Bedingungen. Sie zeigen, was möglich ist, nicht, was an jeder Türklinke geschieht.
Oberflächen sind ein Übertragungsweg unter mehreren
Das Coronavirus verbreitet sich vor allem über die Luft. Für Ansteckungen über kontaminierte Gegenstände oder Oberflächen gibt es nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung derzeit keine belastbaren Belege. Ausschließen lässt sich eine solche Schmierinfektion nicht, wenn frisch aufgebrachtes Virus über die Hände an Nase oder Augen gelangt (BfR).
Bei Bakterien liegt der Fall anders. Weil sie so lange überdauern, gelten patientennahe Flächen im Krankenhaus als Reservoir, über das Keime von einem Menschen zum nächsten gelangen (Eichner et al., 2020). Die Autoren der Übersicht zu Krankenhauskeimen folgern, dass diese ohne regelmäßige Flächendesinfektion zur dauernden Quelle für Übertragungen werden können (Kramer et al., 2006).
Außerhalb der Klinik gilt dasselbe Prinzip im Kleinen. Entscheidend sind die Flächen, die viele verschiedene Hände in kurzer Folge berühren: Türgriffe und Handläufe, der Tresen am Empfang, Kartenterminals, Bedienfelder an Maschinen und Automaten, Griffe von Einkaufswagen.
Desinfektion wirkt im Moment der Reinigung
Gängige Mittel wirken schnell. Ethanol mit 62 bis 71 Prozent, Wasserstoffperoxid mit 0,5 Prozent oder Natriumhypochlorit mit 0,1 Prozent inaktivierten Coronaviren auf Flächen innerhalb einer Minute (Kampf et al., 2020). Die Schwäche liegt in der Zeit danach: Eine desinfizierte Fläche bleibt nur so lange keimarm, bis die nächste Hand sie berührt. Zwischen zwei Reinigungen wird sie wieder besiedelt (Eichner et al., 2020).
Hier setzen antimikrobielle Beschichtungen an. Sie sollen zwischen den Reinigungen weiterwirken, und es gibt sie in mehreren Bauarten. Silberhaltige Beschichtungen geben ihren Wirkstoff vor allem in feuchter Umgebung ab. Dauerhaft aktive Desinfektionsmittel bilden einen Film auf der Fläche: In einer Studie wirkte ein solches Mittel noch 2 Tage nach dem Auftragen und nach Abriebtests gegen SARS-CoV-2 und ein Erkältungs-Coronavirus (Rutala et al., 2023).
Photodynamische Beschichtungen nutzen Licht und Luftsauerstoff
Eine dritte Bauart braucht keine Feuchtigkeit. In der Beschichtung steckt ein Farbstoff, der Energie aus Tageslicht oder Raumlicht aufnimmt und an den Sauerstoff der Luft weitergibt. Dabei entsteht eine sehr reaktionsfreudige Form von Sauerstoff (Singulett-Sauerstoff), die Keime auf der Oberfläche schädigen kann. Fachleute nennen das photodynamische Inaktivierung.
Forscher des Universitätsklinikums Regensburg haben eine solche Beschichtung in 2 Krankenhäusern geprüft. Gleiche patientennahe Flächen erhielten eine photodynamische Beschichtung oder eine Kontrollbeschichtung und wurden bis zu 6 Monate lang regelmäßig beprobt. Auf den photodynamisch beschichteten Flächen fanden sich im Mittel 1,9 vermehrungsfähige Keime je Quadratzentimeter, auf den Kontrollflächen 6,1. Das Risiko für eine stark belastete Fläche mit mehr als 5 Keimen je Quadratzentimeter sank um 67 Prozent. Im Labor verringerte dieselbe Beschichtung mehrere Krankheitserreger um bis zu das 10.000-Fache (Eichner et al., 2020).
Die Autoren nennen ihre Arbeit selbst eine Machbarkeitsstudie. Gemessen wurde die Keimzahl auf den Flächen, nicht die Zahl der Infektionen; ob beschichtete Flächen Krankenhausinfektionen seltener machen, müssen weitere Studien zeigen. Auf diesem Prinzip beruht die antimikrobielle Oberflächenbeschichtung, mit der wir Flächen ausstatten. Sie ergänzt die Reinigung: Schmutz und Fett entfernt weiterhin der Lappen.
Aussagekräftig sind Tests unter Alltagsbedingungen
Viele Wirksamkeitsangaben stammen aus Normprüfungen. Die Norm ISO 22196 für Bakterien hält die Keime bis zu 24 Stunden unter einer Folie in einem Flüssigkeitsfilm, die Norm ISO 21702 für Viren prüft ebenfalls auf abgedeckter, feuchter Fläche. Beschichtungen, die Feuchtigkeit brauchen, schneiden dort gut ab, obwohl Türgriffe und Tresen im Alltag trocken sind. Wie Prüfungen gegen Viren ablaufen, beschreibt unsere Seite zur Viruzidieprüfung. Welche Verfahren den Alltag besser abbilden, steht bei den geeigneten Prüfverfahren für antimikrobielle Beschichtungen.
Wer Angebote vergleicht, stellt deshalb 3 Fragen. Wurde auf trockener Oberfläche bei Raumtemperatur geprüft? Gegen welche Erreger und in welcher Zeit? Gibt es eine Feldstudie unter echten Bedingungen, und wer hat sie durchgeführt?
Wo Sie im eigenen Betrieb ansetzen
Gehen Sie einmal durch Ihre Räume und notieren Sie die Flächen, die am Tag die meisten Hände berühren. Diese Flächen gehören mit festen Intervallen in den Reinigungsplan; bei gängigen Mitteln entscheidet die Regelmäßigkeit mehr als die Stärke. Wo die Intervalle nicht reichen, etwa am Empfang oder an Bedienfeldern im Dauerbetrieb, kann eine antimikrobielle Beschichtung die Zeit dazwischen abdecken. Lassen Sie sich dafür Prüfergebnisse auf trockenen Oberflächen zeigen.
