Zusammenfassung

Acinetobacter baumannii (A. baumannii) ist ein krankmachendes Bakterium. Es ist ursächlich für eine Vielzahl von Krankenhausinfektionen mit erhöhtem Sterberisiko. Dieser Keim ist auf der Haut von Menschen zu finden. Im Falle von Wundinfektionen immungeschwächter und älterer Menschen kann A. baumannii in den Blutkreislauf gelangen und weitere bedrohliche Infektionen verursachen.

Eine systemische Antibiotika-Behandlung ist bei diesem Keim äußerst schwierig. Multiresistente A. baumannii weisen immer häufiger Resistenzen gegenüber 3 und sogar 4 Antibiotika-Gruppen auf und können nur unter großen Schwierigkeiten bekämpft werden. Die Vermeidung einer Infektion mit diesem Keim, beispielsweise durch die indirekte Übertragung in Kontakt zu Oberflächen, ist daher umso wichtiger.

Der in Hygienevorschriften vorgeschriebene Einsatz von Desinfektionsmittel ist oftmals nicht ausreichend und birgt Nachteile für die Gesundheit von Menschen und der Beständigkeit von Oberflächen. Es gibt weitere antimikrobielle Systeme zum Einsatz gegen Bakterien, Viren und Pilze. Das Singulett-Sauerstoff-basierende-Oberflächenbeschichtungssystem hat sich dabei als sehr vorteilhaft gezeigt.

Steckbrief Acinetobacter baumannii

Aussehen und Vorkommen

Acinetobacter baumannii (A. baumannii) ist ein stäbchenförmiges, gram-negatives Bakterium, das im stationären Wachstum auch Kokken ausbilden kann. Dieses Bakterium besitzt keine Flagellen und wurde daher als akinetisch (unbeweglich) eingestuft. Daraus leitet sich der Name Acinetobacter ab.

Das Bakterium wächst in Gegenwart von Sauerstoff und gilt als aerober Nonfermenter, der nicht zur Gärung fähig ist.

Acinetobacter baumannii ist Bestandteil der natürlichen Hautflora von Menschen und Tieren. Es ist ebenfalls in Insekten, auf Pflanzen, im Wasser und Boden zu finden. In Klinikabwässern konnte dieser Keim ebenso nachgewiesen werden.

Infektion – Acinetobacter baumannii

Acinetobacter baumannii ist sehr häufig ursächlich für nosokomiale Infektionen (eine im Krankenhaus oder Pflegeeinrichtung erworbene Infektionen) und ist dabei oft auf Intensivstationen anzutreffen

Als Auslöser für Pneumonien, Bakteriämien (A. baumannii befindet sich im Blutkreislauf) und Wundinfektionen als auch Harnwegsinfektionen, trägt dieser humanpathogene Keim (Menschen krankmachend) zu einer Erhöhung des Sterberisikos bei.

Antibiotika-Resistenzen – Acinetobacter baumannii

Acinetobacter baumannii bildet häufig Resistenzen gegen Antibiotika aus. Daher zählt er zu den ESKAPE Pathogenen (Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa und Enterobacter-Spezies).

Die Widerstandsfähigkeit eines gram-negativen Bakteriums gegenüber Antibiotikagruppen wird durch den MRGN-Grad (Multi-Resistente Gram-Negative Bakterien) angezeigt. Man unterscheidet bei A. baumannii zwischen 3MRGN und 4 MRGN. 3MRGN sind gegen drei von vier Antibiotikagruppen resistent, während 4MRGN – Bakterien gegen alle vier Antibiotikagruppen resistent sind. In deutschen Kliniken ist der Anteil 4MRGN bei A. baumannii gestiegen.

Übertragungswege – Acinetobacter baumannii

A. baumannii wird durch direkten und indirekten Kontakt mit Materialien, Oberflächen und Händen übertragen. Eine Tröpfcheninfektion mit diesem Keim über die Luft ist ebenso möglich.

Grundsätzlich ist dieser pathogene Keim gut an die Krankenhausumgebung angepasst und kann sich somit schnell verbreiten. Acinetobacter baumannii besitzt ein höheres Übertragungspotenzial als Staphylococcus aureus.

Schutzmaßnahmen – Hygienevorschriften mit Grenzen

Problematisch ist Acinetobacter baumannii insbesondere, da das Bakterium eine hohe Umweltresistenz vorweist und Krankenhausinfektionen verursacht, die therapeutisch schwer behandelbar sind.

Antibiotische Therapiemöglichkeiten sind aufgrund der starken Antibiotikaresistenz oftmals mit großen Schwierigkeiten verbunden. Resistenzen gegen Carbapenem-Antibiotika erschweren eine Therapie. In der Folge kann eine Antibiotika-Kombination aus Colistin und Amikacin oder das 2019 entdeckte Breitbandantibiotikum Halicin zum Einsatz kommen.

Als Quelle der Ausbreitung von A. baumannii identifizierte man die unzureichende Händehygiene, die das Robert Koch-Institut betont. Entgegen seiner namensgebenden Bezeichnung konnte gezeigt werden, dass sich A. baumannii entlang feuchter Oberflächen bewegen kann. Bei mangelhafter hygienischer Aufbereitung von Putztüchern und Wischbezügen besteht die Gefahr, dass sich Bakterien und Viren sehr schnell verbreiten können. Dadurch werden Keime auf zuvor hygienisch reinen Oberflächen verteilt. Durch die unsachgemäße Flächenreinigung und Flächendesinfektion wird die Weiterverbreitung der Erreger begünstigt.

Ein weiteres Problem des häufigen Desinfizierens zeigt sich, wenn Oberflächen rissig oder brüchig werden, da die Materialien nicht für das regelmäßige Desinfizieren ausgelegt sind und Schäden davontragen können. Darüber hinaus können Desinfektionsmittel Allergien und Hautreizungen hervorrufen und auch die gesunde Hautflora zerstören.

Antimikrobielle Systeme – sinnvolle Ergänzung zur Hygiene

Ein vorgeschriebenes Hygienekonzept genügt meist nicht, um eine Ausbreitung multiresistenter Keime einzudämmen. und damit die Übertragung auf geschwächte und ältere Menschen zu unterbinden. Antimikrobielle Systeme unterstützen die Hygienemaßnahmen in hygienisch sensiblen Bereichen. Zu vergleichen sind verschiedene Mechanismen zur Verminderung der Keimlast von UV-C-Strahlung und Ozon über Oberflächen-basierende antimikrobielle Systeme.

UV-C-Strahlung

UV-C-Strahlung mit einer Wellenlänge von 222 nm oder 254 nm bietet das Potenzial, Oberflächen keimfrei zu machen, indem die Strahlung Keime schädigt und sie so inaktiviert.

Ozon

Als ein durch die UV-C-Strahlung entstehendes, sehr reaktives, toxisches Gas wirkt Ozon ebenfalls schädigend auf die Zellwand der Mikroorganismen und konnte somit die Keimlast reduzieren.

Polymere

Polymere, besser bekannt als Kunststoff, sind chemische Verbindungen, die durch ihre Ladung Bakterien abtöten können. Das bedeutet, dass sie in eine Wechselwirkung mit der negativ geladenen Zellmembran des Bakteriums treten und dadurch das Bakterium stirbt.

Silber

Vor allem Nanosilber findet aufgrund seiner keimtötenden Eigenschaften Verwendung in Hygieneprodukten. Kommt Nanosilber mit Feuchtigkeit in Kontakt, setzt es durch Oxidation Silberionen frei, die in die Zellmembran eindringen.

Titandioxid

Eine antimikrobielle Wirkung weisen Titandioxid (TiO2) enthaltene Oberflächenbeschichtungen in Kombination mit UV-Strahlung auf. Durch das physikalische Verfahren der Photokatalyse produziert Titandioxid Radikale, die Keime abtöten.

Singulett-Sauerstoff

Singulett-Sauerstoff hat als hochreaktiver Sauerstoff bereits eine lange Tradition in der Behandlung von Tumoren. Oberflächenbeschichtungen auf Basis von Singulett-Sauerstoff töten Viren, Bakterien und Pilze sowie Sporen durch das physikalische Verfahren der Photokatalyse ab und nutzt dazu ein in der Beschichtung enthaltenes Enzym.

Praxis-Vergleich – Singulett-Sauerstoff Beschichtung vs. andere Schutzmaßnahmen

Im Praxis-Vergleich werden Verarbeitung, Beständigkeit, Oberflächenschutz sowie antimikrobielle Wirksamkeit, Resistenzbildung, Gesundheitsrisiken als auch Umweltfreundlichkeit beleuchtet.

Verarbeitung von Oberflächenbeschichtungen

Im Gegensatz zur Desinfektion trägt man bei der Oberflächenbeschichtung etwas auf die Oberfläche auf und beim Desinfizieren trägt man etwas von der Oberfläche ab. Desinfektionsmittel müssen täglich aufgetragen werden, damit sie ihre Wirkung beibehalten. Antimikrobielle Oberflächenbeschichtungen auf Singulett-Sauerstoff-Basis hingegen wirken langfristiger und müssen in längeren Intervallen (z. B. 12 Monate) erneuert werden.

Beständigkeit von Oberflächenbeschichtungen

Der übermäßige Gebrauch von Desinfektionsmitteln greift Oberflächen an, sodass sie schneller altern. UV-C-Strahlung schädigt ebenfalls die Oberfläche. Im Vergleich dazu ergänzen Singulett-Sauerstoff Beschichtungen Desinfektionsmaßnahmen, indem sie einerseits die Keimlast reduzieren und andererseits die Oberfläche nicht angegriffen wird.

Wirksamkeit antimikrobieller Oberflächen

Eine permanente Befreiung von Keimen mit Hilfe der UV-C-Strahlung lässt sich schwierig in der Praxis umsetzen, da die UV-C-Strahlung direkt auf die Oberflächen auftreffen muss, um ihre antimikrobielle Wirkung zu entfalten. Schattenseiten bleiben von der Strahlung unberührt.

Da Silber in verschiedenen Formen vorkommt, sind Silberbeschichtungen antimikrobiell wirksam, wenn sie in einer feuchten Umgebung sind, da sich dann erst die Silberionen neu formieren. Auf Türen ist eine Beschichtung auf Silberbasis weniger geeignet. Nichtsdestotrotz wird Silber für antimikrobielle Zwecke bei Kathetern eingesetzt.

Durch Biozide, wie Desinfektionsmittel, wird durch den Einsatz Tabula rasa auf der Oberfläche gemacht. Allerdings gelangen Keime nach dem Trocknen des Desinfektionsmittels direkt wieder auf die Oberflächen. Dahingehend eignen sich Biozide nicht für eine permanente Wirksamkeit ohne Hygienelücken.

Singulett-Sauerstoff basierende Oberflächenbeschichtungen sind für den flächendeckenden Einsatz geeignet, da Licht (z. B. Raumlicht) die Wirkung der Beschichtung unterstützt. Da die Wirksamkeit nicht von einer feuchten Lösung abhängig ist, eignet sich diese Beschichtung sowohl für trockene als auch für feuchte Oberflächen.

Resistenzbildung bei Oberflächenbeschichtungen

Resistenzen können bei Singulett-Sauerstoff-Oberflächen quasi nicht entstehen, da es auf einem physikalischen Verfahren beruht, während Mikroorganismen bei Silber sowie Bioziden (z. B. Desinfektionsmitteln) Resistenzen ausbilden können.

Gesundheitsrisiken bei antimikrobiellen Systemen

Als nachteilig stellt sich bei Titandioxidbeschichtungen heraus, dass Titandioxid krebserregend sein kann, wie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) feststellte, was auch dazu geführt hat, dass in Frankreich Titandioxid (Lebensmittelzusatzstoff E171) nicht mehr bei Lebensmitteln zum Einsatz kommen darf.

Da Silberionen hochreaktiv sind, können sie sich an Proteine binden, Veränderungen der Zellwandstruktur verursachen – bei gewissen Konzentrationen mit gesundheitlichen Folgen, wie Herzrhythmus- und Entwicklungsstörungen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt zudem vor den Einsatzrisiken einer UV-C-Strahlung (100-280 nm), da sie laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) für den Menschen krebserregend sein kann.

Bei Desinfektionsmitteln muss auf die Lebensmitteltauglichkeit geachtet werden, da Desinfektionsmittel aggressive chemische Stoffe sind, die dem Körper Schaden zufügen können.

Ein Risiko für die Gesundheit ist bei Singulett-Sauerstoff basierenden Beschichtungen nicht bekannt.

Umweltfreundlichkeit antimikrobieller Systeme

Biozide

Biozide beeinträchtigen die Umwelt und haben insofern weitreichende Folgen, als dass sie über den Wasserkreislauf sich überall in der Umwelt verteilen und ihre Wirkung weiterhin entfalten.

Silber

Kläranlagen haben Schwierigkeiten, Nanopartikel herauszufiltern, sodass diese ins Trinkwasser gelangen können. Insbesondere für Fische und andere Meerestiere ist Nanosilber giftig und tötet zudem auch nützliche Bakterien ab.

Polymere

Synthetische Polymere, wie beispielsweise Mikroplastik, schaden der Umwelt, da neue Lebensräume für Mikroorganismen geschaffen werden, die sich von der Umgebung unterscheiden. Zudem wird Mikroplastik von Lebewesen aufgenommen und wird entlang der Nahrungskette weitergegeben und sogar physiologische Prozesse stören.

Singulett-Sauerstoff

Da eine Sol-Gel-Beschichtung mit Singulett-Sauerstoff u.a. keine Schadstoffe an die Umwelt abgeben und zu entsorgende Materialien problemlos im Hausmüll entsorgbar sind, kann eine Singulett-Sauerstoff-Beschichtung umweltfreundlich eingesetzt werden.

Fazit

Festzuhalten ist, dass es unterschiedliche Lösungen gibt, um Bakterien, wie A. baumannii, zu inaktivieren. Antimikrobielle Systeme weisen entscheidende Vorteile bei der Bekämpfung von krankheitserregenden Keimen auf. Dennoch müssen ebenfalls die Nachteile berücksichtigt werden.

Singulett-Sauerstoff basierende Beschichtungen weisen in allen genannten Aspekten Vorteile auf, die sich in der Praxis gezeigt haben.  Das entscheidende ist, dass dieses Beschichtungssystem keine Resistenzen hervorruft zugleich einen permanenten Schutz der Oberflächen bietet. Der Allrounder unter den Beschichtungssystemen hat keine negativen Auswirkungen weder auf die Umwelt noch auf die Gesundheit.

Weitere nicht im Text verwendete Quellen

La Forgia, C., et al. (2010). Management of a multidrug-resistant Acinetobacter baumannii outbreak in an intensive care unit using novel environmental disinfection: a 38-month report. Am J Infect Control, 38(4), 259-263. Doi: https://doi.org/10.1016/j.ajic.2009.07.012

Dr. Starostzik, C. (2015). Acinetobacter baumannii Problemkeim fordert Klinikpersonal heraus. Abgerufen am 1. Dezember 2020, von  https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Problemkeim-fordert-Klinikpersonal-heraus-251078.html

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) (2012). Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Bundesgesundheitsblatt, 55, 1311–1354. DOI 10.1007/s00103-012-1549-5

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) (2014). Ergänzung zu den „Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen“ (2012) im Rahmen der Anpassung an die epidemiologische Situation. Epidemiologisches Bulletin, 21, 183-188. Abgerufen am 1. Dezember 2020, von https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/Ausgaben/21_14.pdf?__blob=publicationFile

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) (2010) Anforderungen an die Hygiene bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten. Bundesgesundheitsblatt, 53, 357-388. DOI 10.1007/s00103-010-1028-9

Gutmann, J. (2019). Sie desinfizieren sich oft die Hände? In den meisten Fällen ein Fehler – der auch ins Geld geht. Abgerufen am 1. Dezember 2020, von  https://www.merkur.de/leben/gesundheit/haende-desinfizieren-meisten-faellen-fehler-auch-geld-geht-zr-13217267.html

Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung e.V. (IHO) (2019). Händehygiene – So wird’s richtig gemacht! Abgerufen am 1. Dezember 2020, von https://www.iho.de/aktuell/haendehygiene-so-wirds-richtig-gemacht/

Dr. med. Weisenburger, L. (2020). Richtige Reinigung und Desinfektion von Flächen. Abgerufen am 1. Dezember 2020, von https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/Richtige-Reinigung-und-Desinfektion-von-Flaechen-558727.html

Ideenfabrik GmbH (2020). Antimikrobielle Beschichtung. Abgerufen am 1. Dezember 2020, von https://www.ihre-ideenfabrik.de/antimikrobielle-oberflaechenbeschichtung/

GERNER‐SMIDT, P., TJERNBERG, I. (1993). Acinetobacter in Denmark: II. Molecular studies of the Acinetobacter calcoaceticus‐Acinetobacter baumannii complex. Journal of Pathology, micorbiology and immunology, 101 (7-12), 826-832. Doi: https://doi.org/10.1111/j.1699-0463.1993.tb00187.x

Lemos, E.V., de la Hoz, F.P., Einarson, T.R., McGhan, W.F., Quevedo, E. Castañeda, C., Kawai, K. (2014). Carbapenem resistance and mortality in patients with Acinetobacter baumannii infection: systematic review and meta-analysis. Clinical Microbiology and Infection, 20 (5), 416-423. Doi: https://doi.org/10.1111/1469-0691.12363

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FAQ

  • In zwei Feldtest in zwei Krankenhäusern, über ein halbes Jahr mit 1.289 Proben, konnte das relative Risiko hoher Keimlasten auf Oberflächen um bis zu 67% (bei cfu/cm² ≤ 5,0) reduziert werden.

    Zudem sank der durchschnittliche Wert von Bakterien auf der aktiven Beschichtung unter 2,5 cfu/cm², einem für Krankenhäuser wichtigen Schwellenwert.

    Hohe Keimlastspitzen von bis 480 cfu/cm² traten lediglich auf unbeschichteten Oberflächen auf. Mit aktiver Beschichtung erreichten Keimlastspitzen maximal bis zu 27 cfu/cm².

    Achtung: Bitte NICHT mit der von Herstellern oftmals angegeben 99,99% Verringerung von Keimen verwechseln. Siehe hierzu unseren separaten Artikel im FAQ.

  • Bei der Beantwortung dieser Frage trifft man oftmals auf Unklarheiten. Man unterscheidet generell zwischen einer qualitativen und einer quantitativen Verringerung der Keimlast.

    Die qualitative Verringerung der Keimlast sagt aus, dass bspw. 99,99% aller Arten von Keimen – bspw. S. aureus, E. coli, usw. – inaktiviert / getötet werden. Die Frage ist hierbei: Welche Keime werden getötet?

    Die quantitative Verringerung der Keimlast sagt aus, dass bspw. 99,99% der Gesamtzahl aller Keime – unabhängig von einer genauen Bestimmung der Keimarten – inaktiviert / getötet werden. 99,99% entsprechen einer Verringerung um das 10.000-fache. Man spricht auch von einer Verringerung um 4 logarithmische Stufen.

    Beispiel für quantitative Verringerung der Keimlast:

    Eine definierte Fläche beinhaltet 1.000.000 aktive Keime. Wird bspw. durch eine antimikrobielle Oberflächenbeschichtung eine Verringerung der Keimzahl um 99,99% erreicht, dann befinden sich danach noch 100 aktive Keime auf der Oberfläche.

    Hierbei handelt es sich um Laborwerte, welche alltäglichen Situationen in medizinischen Einrichtungen etc. nur sehr begrenzt widerspiegeln. Im Labor werden Faktoren wie Frequentierung von Oberflächen, organische Verschmutzungen, Aufbringung neuer Keime etc. nicht / kaum berücksichtigt.

  • Multiresistente Keime sind Mikroorganismen und Viren, welche gegen mehrere Antibiotika beziehungsweise Virostatika unempfindlich sind.

    Sie werden als Superkeime bezeichnet.

    Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistenter Enterokokken (VRE), Acinetobacter baumannii, Clostridium difficile,  Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) etc. sind hierbei einige Beispiele.

  • Einen Zustand der Keimfreiheit wird auf Oberflächen direkt nach der Desinfektion mit geeigneten Desinfektionsmitteln erreicht.

    Bereits nach kurzer Zeit sammeln sich Keime / Mikroorganismen durch Kontakt zu Menschen oder in der Luft absinkende Tröpfchen auf dieser Oberfläche an und können exponentiell wachsen. Dadurch nimmt die Keimzahl explosionsartig zu. Das Infektionsrisiko steigt.

    Eine antimikrobielle Oberflächenbeschichtung verhindern einen exponentiellen Anstieg der Keimzahl zwischen den Desinfektionszyklen und verringern somit das Risiko hoher Keimlastspitzen nachweislich. (Eichner et al., 2020)

    Quelle: A Eichner, T Holzmann, D B Eckl, F Zeman, M Koller, M Huber, S Pemmerl, W Schneider-Brachert, W Bäumler: Novel photodynamic coating reduces the bioburden on near-patient surfaces thereby reducing the risk for onward pathogen transmission: a field study in two hospitals. 2020 J Hosp Infect 104(1): 85-91.

  • Eine nosokomiale Infektion ist eine in Kränkenhäusern oder Pflegeeinrichtungen erworbene Infektion. Der Infektionstag, der Tag mit dem ersten Symptom, darf frühestens der 3. Tag des Krankenhausaufenthaltes sein.

  • KbE bedeutet Kolonie bildende Einheiten und ist die Übersetzung von cfu = colony forming units.

    KbE / cfu bezeichnet die Anzahl von einzelnen Mikroorganismen-Zellen auf einer bestimmten Fläche, die in der Lage sind durch Zellteilung Kolonien zu bilden. Zur Quantifizierung wird standardmäßig das Verhältnis von cfu / cm² verwendet.

    Beispiel: Ist die Rede von 238 cfu/cm² so sprechen wir von 238 Mikroorganismen-Zellen, beispielsweise Bakterien auf einer Fläche von 1 cm x 1 cm, einem Quadratzentimeter (cm²).

  • Mikroorganismen können physikalisch sowie chemisch inaktiviert werden.

    Physikalische Inaktivierung wird beispielsweise durch Erhitzen – Sterilisieren, Pasteurisieren – oder durch UVC-Strahlung gewährleistet. Dabei werden die Mikroorganismen irreversibel beschädigt und sterben.

    Mit der chemischen Inaktivierung durch Antibiotika oder Konservierungsmittel wird das Wachstum und Reproduktion von Mikroorganismen unterbunden.

    Die Inaktivierung von Mikroorganismen durch die Singulett-Sauerstoff produzierende Oberflächenbeschichtung DYPHOX kann man als chemisch-physikalische Inaktivierung betrachten. Der Singulett-Sauerstoff oxidiert Strukturen der Zellwand und Zellmembran, welche dort zu Brüchen führt. Die Mikroorganismen verlieren ihre Integrität und sterben.

  • MDR = Multidrug Resistance Bakterien weisen Resistenzen gegenüber zahlreiche Antibiotika auf und haben zunehmend klinische Relevanz.

    Ein besonderes Problem bilden MDR-Efflux-Pumpen, welche Antibiotika gezielt aus Bakterien heraus transportieren. Dadurch können Antibiotika nicht mehr in Bakterien wirken. Es bilden sich Resistenzen.

  • Multiresistente Keime stehen vermehrt im Zusammenhang mit dem Auftreten nosokomialer Infektionen. In einer Studie (Eichner et al. 2019) an zwei Krankenhäusern konnte gezeigt werden, dass die Anzahl multiresistenter Keime auf Oberflächen mit einer antimikrobiellen Dyphox-Oberflächenbeschichung stark verringert werden konnte. In der Folge kann somit auch das Risiko einer nosokomialen Infektion sinken.

  • Dyphox hat ein breites Wirkspektrum gegen unterschiedliche Arten von Bakterien (z.B. Staphylococcus aureus oder Escherichia coli), behüllte und unbehüllte Viren oder Pilze (z.B. Aspergillus niger oder Candida albicans). Auch multiresistente Keime werden von Dyphox zuverlässig inaktiviert. Die photodynamische Entkeimung wirkt auch gegen Coronaviren.